Berliner Landstraße

In den 1990er Jahren wurden in Wentorf die Kasernen abgerissen und ein großes neues Wohngebiet entstand. Zu der Zeit führte die Bundesstraße B 207 von Hamburg nach Lübeck über die Berliner Landstaße noch mitten durch den Ort. Zu den Planungen gehörte schon damals der Südring, über den zukünftig der Durchgangsverkehr geführt werden sollte.

Mit der Öffnung des Südrings ca. 2001 sollte auch gleichzeitig die Berliner Landstraße verkehrsberuhigt werden. Die allgemeine Erwartung war, dass das zeitnah also eine Sache von ein bis zwei Jahren sein sollte. Tatsächlich sind noch einmal rund 10 Jahre vergangen, bis die B 207 offiziell durch die Straßenverkehrsbehörde verlegt (umgewidmet) wurde.

Für den normalen Bürger hat sich hier nicht erschlossen, was in dieser Zeit passiert ist und warum es so lange gedauert hat. Es gab keinerlei Kommunikation und bis heute kann vermutlich niemand sagen, was das Problem war. Letztlich führt so etwas zu Vertrauenslust in die Politik und die Verwaltung.

Nach dem nun die Bundesstraße einen neuen Verlauf bekommen hatte, hätte es eigentlich weitergehen können. 2009 wurde für Wentorf ein Verkehrsentwicklungsplan erstellt. Darin wurde beschrieben, wie die Umgehung von Nord nach Süd erfolgen sollte. Unter anderem wurde darin vorgeschlagen die Berliner Landstraße im Osten an der Kreuzung zu sperren. Dies wurde vorgeschlagen, um den Durchgangsverkehr aus Wentorf fernzuhalten.

Leider fand dieser Vorschlag keine Mehrheit, obwohl er bestechend einfach und das Problem Durchgangsverkehr nachhaltig gelöst hätte. Selbst für den Busverkehr und die Anwohner im Osten der Straße hätte es eine Lösung gegeben, in dem man den Jägerstieg  geöffnet hätte. Auch für den Südring im Übergang zur Hauptstraße hatte man eine Lösung.

Auf das Thema angesprochen, erinnerte sich ein Mitglied der SPD, das wohl die Verbindungsstraßen zur Berliner Landstraße den Verkehr nicht hätten aufnehmen können. Den Verkehr der Anwohner.

Also musste wohl eine andere Lösung her und hier verliert sich die Spur abermals. Einfach Tempo 30 einführen konnte man nicht. Das hat man wohl versucht. Nur hat die Straßenverkehrsbehörde klar gemacht, dass eine 1,2 Kilometer schnurgerade 8 Meter breite Straße, die an 2 stellen sogar mehr als 16 Meter breit und eigentlich für Panzer gebaut worden ist, irgendwie nicht verkehrsberuhigt aussieht. Und überhaupt ist das eigentliche Problem die Kreuzung Ost-/Südring/Berliner Landstraße. Diese Kreuzung gehört aber nicht zu Wentorf sondern ist in der Verwaltung der Straßenverkehrsbehörde. Wenn man hier z. B. einen Kreisel hätte bauen wollen, hätte das die Gemeinde zahlen müssen. Bei einem Preis von rund einer million Euro und leerer Kassen wurde das gesamte Projekt bis heute auf die lange Bank geschoben. Auf die Frage wie und wann es denn weiterginge, haben sich Politik, Verwaltung und Straßenverkehrsbehörde fortan gegenseitig den schwarzen Peter zugeschoben.

Das ist um so ärgerlicher, weil es seit 2014 ein Gutachten gibt, in dem genau beschrieben ist, welche Maßnahmen ergriffen werden müssen, um die Berliner Landstraße auf ganzer Länge so zu verändern, das man sie beruhigen kann. Dort gibt es kostengünstige Lösungen, wie versetzte Parkstreifen. Eine deutliche Verengung der Beliner Landatraße an der Kreuzung im Osten von jetzt 5 auf 2 Streifen. Abschaffung der Bushaltebuchten, Umbau der Teichkreuzung (Am Grotensahl/Zwischen den Toren). Selbst im Lärmaktionsplan von 2014 wurde vorgeschlagen, die Straße zumindest nachts auf Tempo 30 zu beschränken, so wie es in Hamburg auf einigen 4-spurigen Straßen bereits gemacht wird. Stattdessen wurde Ende 2017 ein Fußgängerüberweg auf Höhe Querweg beschlossen, nicht etwa eine Verengung auf 5 Meter an dieser Stelle, so wie es im Verkehrsentwicklungsplan vorgesehen war.

Nach 3 Monaten Erfahrung in dieser Sache stelle ich fest, dass eigentlich alle Beteiligten gewillt, aber hilflos und überfordert sind, etwas zu verändern.

Allein niemand nimmt die Sache in die Hand, trägt zusammen, was es bisher an Lösungen gab, kümmert sich, bringt alle Beteiligten zusammen und treibt Lösungen voran. Ich wüsste auch niemanden der das tun sollte. Die Politiker machen den Job nur nebenbei. Und Verwaltung und Behörden haben andere Probleme, wie z. B. zu wenig Personal.

Insofern ist klar, es braucht Menschen wie wir, die an der Sache dran bleiben und Dinge erarbeiten, einfordern und voran treiben. Sonst passiert zu wenig.